Es gibt ja so Sehenswürdigkeiten, da muss man abwägen. Tollkühne Aussichten gegen Menschenmassen aufwiegen. Natur-Spektakularitäten gegen volle Parkplätze bedenken. Postkartenmotive gegen Pommesbuden auszählen. Und am Ende eine Entscheidung fällen. Ob man nun will, oder eben nicht. Denn klar ist: Einen Inselabschnitt wie das Cap Formentor, das sogar schon auf einer drögen Straßenkarte verzückt, den wollen alle sehen. Also: Wirklich alle. Und diese alle werden allen erdenklichen Widrigkeiten des Tourismus-Magnetismus zum Trotz, ihren Plan auch in die Tat umsetzen. Irgendwie. Und so wie auch wir.

Erstmal jedoch haben uns am Morgen noch ein Bisserl auf dem Kissen der Nebensaison ausgeruht. Uns einfach nochmal umgedreht, statt früher als der Rest loszufahren. Sind nach Brötchen, Kaffee und gemütlichem Handygedaddel so gegen zehn los. Wollten uns dorthin treiben lassen. Hier aussteigen. Dort was erwandern. Da eine Aussichtspause einlegen.

Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten: Wir sind urpünktlich mit allen anderen aufgebrochen, die sich aus allen erdenklich Teilen der Insel aufmachten zum Autokorso-Sternenmarsch auf das Cap de Formentor. Ganz und gar ähnlich zielstrebig, wie die Botschafter aus der Unendlichen Geschichte gen Elfenbeinturm scharten.

Warum sich ein Tag am Cap Formentor trotzdem lohnt!

Das Cap de Formentor, auch „Treffpunkt der Winde“ genannt, ist der aller nordöstlichste Teil von Mallorca. Ganz am Ende einer von Bergen, Steilküsten und wunderschönen Buchten durchzogenen Halbinsel. Eine Landzunge, die ähnlich tollkühn in das Mittelmeer hineinragt wie eine aufwendig geschnitzte Gallionsfigur. – Und es auf fast 400 Meter über den Meeresspiegel bringt.

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Der Bau des Leuchtturms an der äußersten Spitze des Cap Formentor wurde 1860 begonnen und rund 2,5 Jahre später fertiggestellt. Keine leichte Aufgabe, schließlich gab es damals noch keine LKWs oder ähnlich effiziente Baugerätschaften. Damit alles etwas schneller ging, schaffte der damalige Bischof kurzerhand die Sonntagsruhe ab. Als der Turm dann endlich fertig war, wurde das Licht des Leuchtturmes zunächst mit Olivenöl als Brennmittel am Laufen gehalten.

Unterwegs auf keinen Fall verpassen –  Die Cala Figuera

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Etwa auf halber Strecke findet ihr auf der linken Seite eine Einfahrt zu einem Parkplatz. Dort solltet ihr auf jeden Fall auf dem Hin- oder Rückweg (dann ist es entsprechend auf eurer rechten Seite) eine längere Pause einplanen. Vom Parkplatz aus führt ein recht steiler, aber machbarer Weg hinunter zu der Bucht Figuera. Dort könnt ihr sogar bis zu dem kleinen Kiesstrand ans Meer hinunterlaufen. Wer baden möchte, sollte Badeschlappen mitnehmen, da der Einstieg in das Wasser mit zum Teil spitzen Steinen gesäumt ist

Cap de Formentor – zwischen Stau und Aussichten

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Nachdem wir die ersten 3 der rund 15km langen Serpentinstrecke bis zum Cap de Formentor bereits gemeistert hatten. Bekamen wir so langsam fast keine Schnappatmung mehr, wenn urplötzlich hinter einer Kurve Radfahrer auftauchten oder uns ein viel zu breiter Reisebus entgegenkam. Wir hatten auch so langsam einen guten Ansage-Rhythmus zwecks Kurvenmeisterung entwickelt: „Kannst fahren, da kommt nix.“ Als sich der Verkehrsgott urplötzlich eine neue Challenge erdachte und einen Krankenwagen mit Blaulicht von hinten schickte. In Serpentinenkurven eine Rettungsgasse zu bilden ist exakt so unschön, wie es klingt.

Es folgten noch diverse Staus, urplötzlich stehenbleibende Radfahrer sowie Autofahrer, die für ein Foto mitten auf der Fahrbahn hielten. Und noch jene (es waren gleich mehrere), die vor lauter Stress, vor lauter eingespeicherter Parkplatz-Knappheit vor der Cala Figuera einfach in der Einfahrt parkten. In dem festen Glauben dieser Parkplatz sei sowieso so übervoll, wie all jene zuvor. Und haben so, ohne viel Aufwand, einen riesigen, nicht einmal halbvollen Parkplatz zum schlimmsten Nadelöhr ever kreiert: Von rechts quälten sich die Autos wie auf einem Supermarktkassenband vor einem Feiertag nach oben, von links rasten nicht mehr bremsmächtige Radfahrer die Straße hinunter.

Und genau an dieser Stelle, in dieser Kurve musste nun jedes Auto, welchen willens war den Parkplatz anzusteuern, inmitten der Fahrbahn verharren. Warten, bis sich ein hinausfahrendes Auto in Millimeterarbeit 10 cm vormanövrieren konnte, um dann in die 10cm Lücke zu rutschen. Dann war das andere Auto wieder am Zug. Stefan kämpfte sich mit Kupplung, Handbremse, Vor- und Rückwärtsgang vor, während ich so langsam auf die dunkle Seite der Macht abrutschte und zum ersten Mal in meinem Leben einem mir wildfremden Verkehrsteilnehmer – einem der Einfahrts-Parker – einen Vogel zeigte. Aber hey. Erzählt das nicht weiter. Ist mir ein bisschen peinlich. So im Nachhinein. 😉

Bis zum Ende der Auto-Demo zog es sich. Kurz vor dem Ziel standen wir dann wieder. Im Stau. Am Hang. In den Serpentinen. Eine Emsländerin und ein Ostseekind. Während ein Ordner immer nur dann ein Auto auf den Parkplatz vor dem Leuchtturm am Kap ließ, wenn ein anderes herausfuhr. Bei rund 75 Plätzen eine eher zähe Angelegenheit. Nach rund einer 3/4-Stunde kuppeln, bremsen und anfahren hatten wir es dann geschafft – und wurden raufgewunken.

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Ausflug zum Cap Formentor – Unsere Tipps:

  • Früh aufstehen, früh losfahren, früh da sein.
  • Wer mit dem eigenen Mietwagen dort hinauf möchte, muss schnell sein, denn ab Sommer 2018 soll die Zufahrt für private PKWs gesperrt werden.
  • Proviant mitnehmen. Am Leuchtturm vom Cap Formentor könnt ihr zwar was kaufen, aber das nur echt teuer.
  • Unser Ausflug zum Cap de Formentor war Anfang Mai. Wie die Besucher-Koordination in der Hauptsaison ist, können wir nicht abschätzen.
  • Wenn ihr mit einem Mietwagen hochfahren möchtet, überprüft zuvor eure Handbremse, das Reifenprofil und den Luftdruck. Falls ihr unerfahren in den Bergen seid, ruft euch nochmal den Zusammenhang zwischen Handbremse, Gangschaltung und Kupplung ins Gedächtnis, denn ihr müsst voraussichtlich mehr als nur 1x am Berg anfahren.
  • Schaut vorher auf euren Tank-Status. Denn wenn ihr unterwegs liegenbleibt, tja dann bleibt ihr liegen. Und euch wird vermutlich nicht so schnell jemand erlösen (können). Ihr fahrt zwar insgesamt „nur“ rund 35 Kilometer, aber die, durch das ständige Bremsen und Anfahren, sehr unwirtschaftlich.
  • Wenn ihr nach dem Ausflug zum Cap Formentor noch Lust auf eine nahegelegene Wanderung zu einer kleinen einsamen Bucht habt, können wir euch unbedingt die Cala Bóquer empfehlen. Alle Tipps, Parkmöglichkeiten und die Wegbeschreibung findet ihr, in unserem Blogposting. Weitere Wanderungen am Cap Formetor findet ihr hier und noch mehr Reisetipps für Mallorcas Nordosten haben wir hier für euch aufgeschrieben.

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Und nun noch: Unsere dringlichste Frage an euch. Eine Frage, die uns seither umtreibt: Wer von euch war schon einmal in der Hauptsaison da? Wie war es? Voll, voller, …..? Und welche Kuriositäten habt ihr dort erlebt?